Pressetext: 4D-Schach

Das 4D-Schach soll als Erweiterung des “gewöhnlichen” Schachs und auch bisher entwickelter 3D-Schach-Varianten eine so hohe Komplexität erreichen, dass das menschliche Gehirn (auch das trainierteste) definitiv überfordert wird.

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Abb. Peter Clouth denkt vierdimensional (Foto Heinz Hachel)

Mit möglichst einfachen Regeln soll ein extrem dynamischer Spielverlauf ermöglicht werden, in dem Strategien zwar prinzipiell möglich, aber sehr schwer zu errechnen sind. Ich erhoffe mir, dass sich zukünftig Programmierer für das 4D-Schach interessieren und irgendwann die “Rechentiefe” der

hier vorgestellten Spielregeln

ausloten. Der Mensch wird als Spieler gegen die entsprechenden Programme keine Chance haben, wie es bei aktuellen Schachprogrammen meines Wissens schon längst der Fall ist. Dafür ist die sogenannte “Schwache Künstliche Intelligenz” völlig ausreichend. Ein 4D-Schach wäre also an sich überflüssig.

Im aktuellen Diskurs um die “Technologische Singularität” ist jedoch von intelligenten Maschinen die Rede, die eigenständig noch intelligentere Maschinen bauen (bootstrapping). Mich interessiert dabei vor allen Dingen, ob diese visionierte Maschinenzivilisation (Starke KI) an Spielen interessiert sein wird oder nur an so ernsten Dingen wie Ausbeutung und Expansion. (Sie könnte sich beispielsweise laut Kardashev die “Energie einer Galaxis verfügbar machen”.) Die Frage stellt sich, ob und wie ein solcher Gerätepark, quasi zur Entspannung und vom 4D-Schach gelangweilt, über ein 5D-Spiel nachdenken würde.

Das Spielen des 4D-Schachs für Normalsterbliche führt jedoch nicht unbedingt zu Frustration, weil man seine Strategien (scheinbar) nicht planen kann. Es ist eine Art philosophisches Spiel mit der eigenen Unzulänglichkeit. Wie im richtigen Leben sind wir dazu verurteilt, über komplexe, von uns selbst ausgelöste Vorgänge zu staunen, die unsere Pläne plötzlich durcheinanderwirbeln. Aber natürlich ist es möglich den Gegner matt zu setzen… mit etwas Glück.

Ich weise darauf hin, dass ich nahezu keine Spielpraxis im “gewöhnlichen” Schach besitze. Mir ging es lediglich darum herauszufinden, ob ich in der Lage wäre, aus einem alten Spiel ein neues abzuleiten, das eine Zumutung und Herausforderung
gleichermaßen ist. Denn ohne ein bißchen Hybris komme auch ich nicht aus.